Prof. Dr.-Ing. Annette Hafner von der Ruhr-Universität Bochum zeigte, wie der Holzbau zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung beiträgt. Holz speichert Kohlenstoff langfristig in Gebäuden und ersetzt emissionsintensive Baustoffe. Entscheidend sei nicht, möglichst viel Holz zu verbauen, sondern es effizient und passend zur Bauaufgabe einzusetzen. Auch Holzhybridlösungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Professorin präsentierte Beispiele, die den Holzbau auf Quartiersebene veranschaulichen. Die Erfahrungen zeigen: Materialwahl, Grundstücksvergabe, Stadtplanung und Klimaziele müssen frühzeitig zusammengedacht werden.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Gebäudebestand. Aufstockungen, Nachverdichtungen und serielle Sanierungen bieten dem Holzbau dank seines geringen Gewichts und hohen Vorfertigungsgrads große Chancen. Für Kommunen heißt das: Viele Entscheidungen fallen lange vor Baubeginn.
Josef Ambros lenkte den Blick auf die Region. Der Holzbauanteil im Allgäu liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Doch für ihn ist das kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Angesichts des notwendigen Waldumbaus müsse man klären, wie das anfallende Holz langfristig genutzt und die regionale Wertschöpfung gestärkt werden könne. Damit rückte die Kernfrage des Tages in den Fokus: Wenn das Wissen vorhanden ist, warum fällt es so schwer, daraus Entscheidungen abzuleiten?
Der Psychologe und Wirtschaftsingenieur Jürgen Koch betonte, dass Entscheidungen immer mit Unsicherheit verbunden sind. Ob sie richtig oder falsch waren, zeigt sich oft erst später. Umso wichtiger sei ein guter Entscheidungsprozess: die richtige Frage stellen, die relevanten Akteure einbeziehen, vorhandenes Wissen nutzen und die Entscheidung konsequent umsetzen.
Alte Routinen könnten dabei bremsen. Der Satz „Das haben wir immer schon so gemacht“ gebe zwar Sicherheit, werde aber problematisch, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Gleichzeitig könne übermäßige Analyse Entscheidungen verzögern. Fachwissen sei unverzichtbar, doch irgendwann müsse man handeln.
In der anschließenden Podiumsdiskussion prallten unterschiedliche Perspektiven aufeinander. Themen waren Wirtschaftlichkeit, Förderungen, Zertifizierungen, öffentliche Vergabe und die Frage, unter welchen Bedingungen mehr Holzbau realisiert werden kann. Dabei wurde klar: Es geht nicht um ein einfaches „Holz gegen Beton“, sondern um die passende Lösung für jede Bauaufgabe.
Die zahlreichen Gespräche im Anschluss und die positiven Rückmeldungen aus der Branche bestätigten den Ansatz des Allgäuer Holztags 2026: Zukunftsfähiges Bauen beginnt nicht auf der Baustelle, sondern bei den Entscheidungen davor.