CarboRegio: regionales Holz und sein Potential im Klimaschutz

FNR-Projekt, 2020-2023

Projektpartner und Förderer

Mit CarboRegio wird grundsätzlich geklärt, inwieweit regionales Holz und Holzprodukte zum Klimaschutz beitragen können. Dazu stellen sich uns einige Fragen. Wieviel Holz gibt es im Allgäu und wieviel wächst jährlich nach? Wieviel Holz wird derzeit im Allgäu genutzt und wieviel verlässt die Region zur weiteren Verarbeitung? Welche Potentiale weist die heimische Holzwirtschaft auf und wo liegen die Grenzen in der Verarbeitung? Gibt es für spezielle Produkte aus regionalem Holz Chancen einer Vermarktung hier vor Ort?

Stoffstromanalysen und Ökobilanzen bilden das wissenschaftliche Fundament des Projektes. Um dafür möglichst belastbare und aussagekräftige Zahlen zu erhalten stützen wir uns auf amtliche Statistiken sowie Informationen von Behörden und Instituten.

Daneben werden mithilfe von Umfragen und Interviews regionale Betriebe und Akteure miteingebunden. Hier werden aktuelle Daten zu Stoffströmen entlang der Wertschöpfungskette Holz erhoben. Zudem ist es wichtig zu erfahren, wie lokale Handwerker und Händler das Vermarktungspotential für regionale Holzprodukte sehen.

Die Ergebnisse des Projektes sollen die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Holz und die positiven Auswirkungen auf die Ökobilanz aufzeigen. Und sowohl Politik als auch Endverbrauchern zugänglich gemacht werden, um einen höheren Absatz dieser heimischen Produkte aus nachhaltiger Nutzung in unserer Region zu erreichen.

Regionales Holz verwenden bedeutet Klimaschutz

CarboRegio ist ein Kooperationsprojekt des Holzforum Allgäu und der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Weihenstephan. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) in Gülzow fördert das Projekt über die gesamte Laufzeit von drei Jahren. Projektleiter vor Ort ist der Unterallgäuer Geograph Markus Briechle.

Multitalent Holz prägt das Allgäu

Die Holzwirtschaft ist seit Jahrhunderten ein prägender Wirtschaftsfaktor mit Tradition für das Allgäu. Wald und Holz waren und sind für eine Vielzahl von Menschen Lebensgrundlage und Erwerbsquelle – und sei es nur im winterlichen Nebenerwerb. Vielmehr als heutzutage war Holz auch im Alltag unserer Großeltern allgegenwärtig. Sowohl als Energieträger als auch in Gebrauchsgegenständen oder als Baumaterial ist Holz ein sehr gefragter Roh- und Werkstoff gewesen. In den letzten Jahrzehnten wurde Holz in vielen Bereichen durch Kunststoffe, Metalle oder beispielsweise Beton im Baubereich ersetzt.

Nichtsdestotrotz hat Holz nichts von seiner Vielseitigkeit eingebüßt und überzeugt weiterhin als absolutes Multitalent. Zu den bereits genannten Aufgaben bieten Wälder Natur- und Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen und sind für uns Menschen Naherholungsgebiete. Waldböden filtern unser Trinkwasser und Bergwälder schützen vor Lawinen und Steinschlägen.

Holz mit Schlüsselposition im Klimaschutz

Natürliche Klimaschutzfunktion von Holz

In der heutigen Zeit rückt besonders eine Aufgabe von Wald und Holz in den Mittelpunkt und verdeutlicht deren Wichtigkeit. Durch die Filterung von CO2 aus der Atmosphäre und der Einlagerung von Kohlenstoff in Holz erfüllen Bäume eine wertvolle Klimaschutzfunktion. So kann ein Kubikmeter Holz der Atmosphäre bis zu einer Tonne CO2 entziehen, den Kohlenstoff dauerhaft speichern und wertvollen Sauerstoff freisetzen. Wenn das Holz anschließend als Baumaterial oder für Möbel verwendet wird, kann der enthaltene Kohlenstoff auf lange Zeit gespeichert werden. Ein Einfamilienhaus in Massivholzbauweise entlastet beispielsweise die Atmosphäre um bis zu 90 Tonnen Kohlenstoffdioxid.

Substitutionsfunktion

Die Klimaschutzfunktion betrifft zudem die Substitution anderer energieintensiver Baumaterialien wie Stahl und Beton, deren Ausgangsprodukte endlicher Natur sind. Während Holz Kohlenstoff bindet, werden hier bei der Gewinnung und Weiterverarbeitung große Mengen an Schadstoffen freigesetzt.

Holz als nachwachsende Ressource kann in Zukunft somit eine Schlüsselposition bei der Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels einnehmen.

Holzaufkommen im Allgäu

Ein wichtiges Element des Projektes CarboRegio ist die Analyse der Holzströme im Allgäu. Dabei ist das jährliche Holzaufkommen eine wichtige Größe, die nun erhoben wurde.

Bei der Abfrage wurden die beiden Forstbetriebe der Bayerischen Staatsforsten, kommunale Forstverwaltungen sowie alle forstlichen Zusammenschlüsse und Forstunternehmen im Allgäu berücksichtigt. Daneben wurden sowohl die Produzenten von Hackschnitzeln als auch Sägewerke und private Holzhändler nach ihren Bezugsquellen und Mengen für Rohholz befragt.

Diese Erhebungen geben die Menge an Holz wieder, die jährlich aus den Wäldern der Region auf den Markt gebracht werden. Für das Allgäu ergibt sich für die Jahre 2010 bis 2019 eine durchschnittliche Menge von knapp 800.000 fm. Es lassen sich leichte Schwankungen zwischen den einzelnen Jahren erkennen. Der Verlauf deckt sich weitestgehend mit dem des gesamten Holzaufkommens in Bayern.

Im Gegensatz zu den offiziell vermarkteten Holzmengen ist der Eigenverbrauch im Privatwald nur schwer zu erfassen. Anhand von Erfahrungswerten aus Befragungen von Waldbesitzern der LWF sowie den Verhältnissen im Privatwald im Allgäu lassen sich jedoch Zahlen ableiten, die auf einen Eigenverbrauch von ca. 300.000 fm schließen lassen.

Mit dem Energieholzmarktbericht versucht die LWF alle zwei Jahre über Befragungen von Privathaushalten die verbrauchten Mengen an Energieholz zu erfassen. Die daraus soziodemographisch berechneten Mengen für das Allgäu erreichen 360.000 fm Energieholz, die jährlich privat genutzt werden. Der Energieholzmarktbericht macht deutlich, dass ein großer Teil durch Eigenverbrauch gedeckt wird, was durch die errechneten 300.000 fm bestätigt wird.

Somit kann von einem gesamten Holzaufkommen im Allgäu von ca. 1,1 Mio. fm pro Jahr ausgegangen werden, was sich der erhobenen Nutzungsmenge der Bundeswaldinventur 3 (1,2 Mio. fm) annähert. Gleichzeitig liegt die Nutzungsmenge deutlich unter dem jährlichen Zuwachs von knapp 1,4 Mio. fm pro Jahr.