Über Schnittstellenprobleme im Holzbau wird seit Jahren gesprochen: Ausführende kommen zu spät in die Planung, Fachdisziplinen arbeiten zu lange nebeneinander, wichtige Details werden erst auf der Baustelle geklärt und Verantwortlichkeiten sind nicht immer eindeutig. Vieles davon ist bekannt. Die entscheidende Frage ist deshalb: Wie kommen wir vom Wissen über diese Probleme ins konkrete Handeln?
Genau hier setzte die Zukunftswerkstatt „Planen und Bauen aus einer Hand“ des Projekts NextLevelWood an. Acht vorbereitende Fachgespräche lieferten zunächst unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen aus Planung und Praxis. Am 21. Juli 2026 im LaCasa Dietmannsried, nahmen sich anschließend neun Experten einen halben Tag Zeit, um diese Fragen gemeinsam weiterzubearbeiten.
Dabei ging es nicht darum, noch einmal eine Liste bekannter Schwierigkeiten zu erstellen. Die Gruppe arbeitete daran, genauer zu bestimmen, an welchen Stellen des Planungsprozesses angesetzt werden muss und welche Kompetenzen und Formen der Zusammenarbeit dafür gebraucht werden.
Drei Bauaufgaben, eine zentrale Frage
Anhand von Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus und kommunalem Bauvorhaben wurde untersucht, wie ein guter Planungs- und Bauprozess aussehen könnte.
Schnell zeigte sich: Die Projekte unterscheiden sich in Größe, Beteiligten, Vergabe und Organisation. Trotzdem tauchen ähnliche Fragen auf. Wer koordiniert den Gesamtprozess? Wann kommen Holzbauunternehmen und Fachplanende hinzu? Wer entscheidet an den Schnittstellen? Und wie wird verhindert, dass Probleme erst bei Werkplanung, Fertigung oder auf der Baustelle sichtbar werden?
Ein Ergebnis zog sich dabei durch Interviews und Workshop: Ausführungskompetenz muss früher in die Planung. Tragwerk, Bauphysik, Haustechnik, Brandschutz, Fertigung und Montage können nicht erst dann zusammengedacht werden, wenn wesentliche Entscheidungen bereits gefallen sind.
„Eine Hand“ ist nicht zwingend eine Person
Auch der Begriff „Planen und Bauen aus einer Hand“ wurde intensiv hinterfragt. Die Vorstellungen reichten von einer einzelnen verantwortlichen Person über Architektur- oder Planungsbüros und Holzbauunternehmen bis zu General- oder Totalunternehmen und festen interdisziplinären Teams.
Gerade diese unterschiedlichen Positionen waren für die weitere Projektarbeit aufschlussreich. Denn die Diskussion verschob sich von der Frage „Wer muss es machen?“ hin zu „Was muss im Prozess verlässlich organisiert sein?“
Dazu gehören eine erkennbare Gesamtverantwortung, früh eingebundene Fachkompetenzen, eindeutig beschriebene Schnittstellen, belastbare Kostenkommunikation sowie nachvollziehbare Entscheidungen und Planungsstände.
Auch fachliche Koordination und Kommunikation mit der Bauherrschaft müssen dabei nicht zwingend bei derselben Person liegen.
Zusammenarbeit braucht mehr als digitale Werkzeuge
Ein weiterer Punkt war die Zusammenarbeit im Team. Wiederkehrende Partner, gemeinsam entwickelte Details und klare Zuständigkeiten wurden als wichtige Voraussetzungen beschrieben. Digitale Werkzeuge und BIM können solche Prozesse unterstützen. Sie lösen jedoch keine ungeklärten Verantwortlichkeiten.
Ähnlich wurde über Standardisierung diskutiert. Wiederkehrende Details und definierte Schnittstellen können Planung und Ausführung vereinfachen. Ein vollständig einheitliches Bausystem für alle Betriebe ist daraus aber nicht abzuleiten. Interessanter ist die Frage, welche gemeinsamen Standards an den Übergängen helfen und wo unterschiedliche betriebliche Lösungen erhalten bleiben sollen.
Aus Diskussion werden konkrete Arbeitsaufträge
Für NextLevelWood liegt genau darin der Wert der Zukunftswerkstatt. Aus den acht Fachgesprächen und der gemeinsamen Arbeit lassen sich konkrete Themen für die nächsten Projektschritte ableiten.
Dazu gehören ein klareres Kompetenzprofil für die Holzbauplanung, die Beschreibung eines durchgängigen Planungsprozesses mit definierten Übergabe- und Entscheidungspunkten sowie Weiterbildungsinhalte zu Schnittstellenmanagement, Fachkoordination, Kosten, Kommunikation und Qualitätssicherung.
Auch die regionale Zusammenarbeit bleibt ein Thema. Gerade kleinere Betriebe können nicht sämtliche Kompetenzen für komplexere Projekte dauerhaft selbst vorhalten. Umso wichtiger wird die Frage, wie verlässliche Partnerschaften und Kompetenzteams entstehen können.
Der Workshop hat darauf noch keine fertigen Antworten geliefert. Aber er hat die Diskussion einen Schritt weitergeführt: weg von der wiederholten Beschreibung bekannter Probleme und hin zu konkreten Punkten, an denen im Projekt weitergearbeitet werden kann.
Für das Holzforum Allgäu heißt das auch, die Erkenntnisse jetzt in die Region zurückzutragen: Akteure zusammenzubringen, vorhandene Kompetenzen sichtbar zu machen und mit NextLevelWood an Strukturen und Qualifizierungsangeboten zu arbeiten, die eine bessere Zusammenarbeit im Holzbau praktisch unterstützen.