Ein wichtiger Bezugsrahmen ist dabei das New European Bauhaus (NEB). Dahinter steckt die Idee, die Bauwende nicht nur technisch und ökologisch zu betrachten, sondern auch gestalterisch und gesellschaftlich. Im Mittelpunkt stehen drei zentrale Kriterien: Schönheit, Nachhaltigkeit und Inklusion.
Schönheit bedeutet dabei weit mehr als „schön aussehen“. Gemeint sind Gebäude, Räume und Materialien, die zum Ort passen, Identität stiften und eine gute Atmosphäre schaffen. Gerade bei uns im Allgäu ist das ein spannender Gedanke: Wie kann modernes, zukunftsfähiges Bauen entstehen, ohne den Bezug zu regionaler Baukultur, Materialität und Landschaft zu verlieren?
Nachhaltigkeit ist im Bausektor inzwischen ein zentrales Thema – von der Wahl der Materialien über Kreislaufwirtschaft und Wiederverwendung bis hin zur Frage, wie langlebig und ressourcenschonend Gebäude geplant werden. Im BAUHALPS-Projekt geht es genau darum, diese Aspekte im Alpenraum weiterzudenken und praxistauglich zu machen.
Inklusion schließlich lenkt den Blick auf die Menschen. Wer kann Räume nutzen? Wer wird in Planungsprozesse einbezogen? Sind Gebäude zugänglich, bezahlbar und offen für unterschiedliche Bedürfnisse? Die Bauwende gelingt nur dann wirklich, wenn sie nicht an einzelnen Gruppen vorbeigeht, sondern als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden wird.
Gerade in der Praxis zeigt sich aber auch: Diese drei Kriterien zu bewerten, ist alles andere als einfach. Nachhaltigkeit lässt sich teilweise noch über Kennzahlen, Materialströme oder Lebenszyklusbetrachtungen erfassen. Schwieriger wird es bei Schönheit und Inklusion. Wie misst man Aufenthaltsqualität? Wie lässt sich beurteilen, ob ein Gebäude Identität stiftet oder Menschen sich dort willkommen fühlen? Und wie kann Teilhabe so bewertet werden, dass sie nicht nur behauptet, sondern tatsächlich nachvollziehbar wird?
Genau hier liegt eine der großen Herausforderungen des New European Bauhaus: Es braucht neue Wege, um technische, ökologische, soziale und gestalterische Qualitäten zusammenzudenken. Nicht alles lässt sich in Zahlen ausdrücken. Deshalb sind neben Indikatoren auch gute Prozesse wichtig – also Beteiligung, Diskussion, lokale Perspektiven und der ehrliche Blick darauf, was ein Projekt für einen Ort und seine Menschen wirklich bedeutet.
Für uns ist das besonders interessant, weil es sehr gut zu den Fragen passt, die auch das Holzforum Allgäu bewegen: Wie können wir regionales Bauen weiterentwickeln? Wie lassen sich Tradition, Innovation und Kreislaufdenken verbinden? Und wie schaffen wir Gebäude, die nicht nur funktionieren, sondern auch langfristig angenommen und geschätzt werden?
BAUHALPS zeigt damit sehr deutlich: Die Bauwende ist mehr als eine technische Aufgabe. Sie ist auch eine kulturelle, soziale und gestalterische Herausforderung – und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.