Allgäuer Holztag 2018 auf der Allgäuer Festwoche

Holzforum Allgäu e. V. :: Allgäuer Holztag 2018 auf der Allgäuer Festwoche
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Allgäuer Holztag 2018 auf der Allgäuer Festwoche

Mit Holz in die Zukunft – schnelle und nachhaltige Großprojekte im Holzbau!

Das Holzforum Allgäu auf der Festwoche 2018
Mit einem informativen und kurzweiligen Auftritt war der Holzforum Allgäu e.V. auch dieses Jahr wieder auf der Festwoche vertreten. Im Titel dem aktuellen Inno4wood Projekt folgend, sprachen hochkarätige Experten unter dem Motto „Mit Holz in die Zukunft – schnelle und nachhaltige Großprojekte im Holzbau“ zum Einsatz von Holz im Bau.

Denn der natürliche Baustoff kehrt mit großem Erfolg zurück und selbst mehrgeschossiges Bauen mit Holz ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Holz ist ein Alleskönner und in vielfältigster Art und Weise einsetzbar, bis hin zum Holzhochhaus. Die moderne Holzbauweise ist kein Trend mehr, sie ist eine Bewegung.   

Moderiert wurde die Veranstaltung durch Volker Klüpfel und Michael Kobr, die es verstanden mit viel Witz und Charme, aber auch der ein oder anderen Spitze gegenüber den anwesenden politischen Vertretern , genau die richtige Mischung zwischen Humor und Ernsthaftigkeit an den Tag zu legen, den dieses Thema braucht.

Knapp 200 Gäste waren anwesend, als um 10:00 Uhr der Holztag im Kornhaus Kempten durch die Jagdhornbläsergruppe des Kreisjagdverbandes Kempten begann. Nach einer kurzen Einführung durch die Moderatoren, sprach der 1. Vorstand Hugo Wirthensohn ein paar Grußworte, bevor es direkt zur Sache ging: dem Holzbau im Allgäu. Aktuell werden in Bayern mittlerweile schon über  20 % der Gebäude in Holz gebaut. In Baden-Württemberg ist der Anteil schon bei 30%. Auch das Allgäu braucht sich mit einer Holzbauquote von fast 30% eigentlich nicht verstecken, dennoch könnte es gerade in den großen Städten aufgrund ihrer Vorbildfunktion deutlich mehr sein. Zum Vergleich: in Kempten, Kaufbeuren und Memmingen sind es derzeit rund 15%. Hinzu kommt, dass wir große Waldflächen im Allgäu haben, die lediglich zu 70% nachhaltig genutzt werden. Hier ist also noch viel Luft nach oben.
Die zurückhaltende Nutzung von Holz im Bau war Stichpunkt um Thomas Kiechle, Oberbürgermeister der Stadt Kempten und Anton Klotz, Landrat des Landkreises Oberallgäu, auf die Bühne zu holen. Angesprochen auf die Situation verwiesen sie auf bereits verwirklichte Projekte, wie zum Beispiel die alte König-Ludwig Brücke in Kempten oder der Anbau des Landratsamts in Sonthofen. Gleichzeitig gab Kiechle aber zu, dass ein Prestigebau in Kempten fehle. Dazu müssten aber zunächst noch einige Hürden und Rahmenbedingungen aus dem Weg geschafft bzw, verändert werden. Man sei in Kempten mit Unterstützung der richtigen Fachkompetenz aber grundsätzlich offen, auch mal für die Stadt neue Wege einzuschlagen.

Sparsam mit der Ressource umgehen
Im Anschluss daran betrat Univ.-Prof. DDipl.-Ing. Michael Flach (Leiter Arbeitsbereich Holzbau an der Uni Innsbruck) die Bühne. Sein Vortrag „Neue Wege des Holzbaus“ zeigte auf, was bereits im Holzbau möglich ist und was bereits umgesetzt wurde. Flach, der in seiner Arbeit vor allem dem Prinzip der Natur, sparsam mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen umzugehen, folgt, ging unter anderem auch auf das Thema ein, wie hoch Bauen, auch mit Holz, überhaupt Sinn macht. Zwar wäre hoch und sicher heute auch mit Holz möglich, aktuell ist in Wien zum Beispiel ein 24-Geschosser im Bau, dennoch müsse man in den Städten seiner Ansicht nach auf andere Lösungen zurück greifen. Die Zukunft bestehe im Sanieren und in Gebäuden mit Mehrfach-Nutzung. Dafür zeigte er das Beispiel eines BIO Gebäudes in Avignon/Frankreich in dem ein Laden, ein Restaurant, Büros, Kinderkrippe, Seniorengemeinschaftswohnungen und vieles mehr untergebracht sind. Zudem wird das Gebäude autonom betrieben. So würden nachhaltige Gemeinschaftsmodelle der Zukunft funktionieren. im Allgäu sieht Flach die Zukunft in 4-8 Geschossern. Allzu hoch sei gar nicht nötig. Viel wichtiger ist die Schnelligkeit des Baus. Eine Etage pro Tag ist mittlerweile Pflicht. Durch die hohe Vorfertigungsrate ist das im Holzbau kein Problem mehr. Auch der Schall- und Brandschutz ist heute kein Hindernis mehr. Darauf ging dann aber der zweite Referent des Tages ein.

So geht´s!
Dr.-Ing. Michael Merk (Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion an der TU München und Geschäftsführer von fire&timber) formulierte seinen zunächst mit „So kann´s gehen“ vordefinierten Titel kurzerhand in „So geht´s“ um. Denn mittlerweile ist vieles im Holzbau nicht mehr nur theoretisch, sondern auch praktisch umsetzbar. Mit Holz zu bauen sei nicht nur aktiver Klimaschutz, sondern auch äußerst vielfältig, nachhaltig, mit sehr hohem Vorfertigungsgrad, leicht, schön, modular und weltweit auf dem Vormarsch. Dennoch sei auch er sich der Herausforderungen bewusst, die Holzbau mitbringt. Die vorherrschenden Vorurteile wie Holz brennt, glimmt und fault kämen nicht von ungefähr. Die noch anhaltende Meinung, dass dem nichts entgegengesetzt werden könne, sei aber veraltet. Natürlich brenne Holz, es schütze sich aber auch selbst vor dem Feuer durch die Bildung einer Kohleschicht, so dass der innere Kern auch nach 60min Vollbrandbeanspruchung noch voll tragfähig sei. Natürlich fault Holz, aber mit der richtigen Planung und dem Heraushalten von Feuchtigkeit aus der Konstruktion, könne problemlos gebaut werden. All das hat Merk in vielen Versuchen belegen können und auch schon in zahlreichen Praxisbeispielen unter Beweis gestellt.
Im Allgäu seien seiner Meinung nach die baulichen Gegebenheiten nicht anders als an anderen Standorten, im Gegenteil. Die Problemstellungen seien für alle in meist die gleichen. Aktuell herrsche ein ziemliches Ungleichgewicht von der rasant fortschreitenden Technik und der Fortentwicklung des Baurechts sowie der Anpassung von nationalem auf europäisches Recht. Doch hier sieht Merk ein Licht am Ende des Tunnels. Eventuell stehen schon dieses Jahrbaurechtliche Regeln für den Einsatz von Holz bis zur Hochhausgrenze, also 8 Geschosse, fest. Bisher endeten die Regelungen bei 4 bis 5 Geschossen. Massivholz kannte das Baurecht bisher noch überhaupt nicht.

Nachhaltige Großprojekte im Allgäu
Bei der anschließenden Diskussionsrunde zum Thema „Nachhaltige Großprojekte im Allgäu“ stellten sich Prof. Dr.-Ing. Anette Hafner (Lehrstuhl Ressourceneffizientes Bauen an der Ruhr-Universität Bochum), MdL Angelika Schorer (stellvertretende Landrätin des Landkreises Ostallgäu), MEP Ulrike Müller (Mitglied im Europäischen Parlament) und die Referenten den Fragen der Moderatoren Klüpfel und Kobr.

Anette Hafner erläuterte dabei die verschiedenen Fördersysteme, die die Stadt München für den Bau mit Holz bereits ins Leben gerufen hat. An einigen hat sie selbst mitgewirkt, wie zum Beispiel an der seit 2010 bestehenden CO2 Bonus Förderung. Pro kg gespeichertes CO2 werden zwischen 0,30 und 2,00€ gefördert. Die Devise lautet aber, nicht nur fördern, sondern fordern. Holzbau könne in einer Ausschreibung zwar nicht direkt gefordert werden, aber über einen gewissen Regelkatalog und die CO2 Einsparung forciert werden. Generell sieht Hafner die Zukunft für den Holzbau aber weniger im Neubau, als vielmehr im Sanieren und der Aufstockung.

Angelika Schorer findet diese Praxis gut, sieht sie aber auf Landkreiseben nicht umsetzbar. Es gäbe dazu einfach zu wenige landkreiseigene Flächen. Vielmehr müssten Maßnahmen ergriffen werden, um die freiwilligen Leistungen voranzutreiben. Hier hielten sich die Möglichkeiten, außer durch Förderungen, aber in Grenzen. Soweit es aber möglich sei, müsse der Landkreis eine Vorbildfunktion übernehmen und den Bau vorantreiben. Aktuell sei dies zum Beispiel mit dem Holz-Bau eines Kinderhauses in Marktoberdorf der Fall.

Ulrike Müller betonte, dass Forstpolitik auf europäischer Ebene nicht unmittelbar vorkomme. Zwar gäbe es einen Betrag von 8,2 Milliarden Euro als Direktzahlung für den Forstbereich, dieser beschränke sich aber auf Aufforstung, den Umwelt- und Klimabereich. Der Holzbau kommt direkt nicht vor. Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern und so sei es wichtig bestehende Förderungen auszunutzen und durch kommunale Bauten zu überzeugen. Dafür müssten vorher aber die Hemmnisse für Kommunen bei den bautechnischen Anforderungen geregelt werden.

Abschließend verabschiedete sich Hugo Wirthensohn von den anwesenden Gästen und lies die Veranstaltung bei einem kleinen Stehimbiss ausklingen.

Die Veranstaltung lief unter der dem Projekt Inno4Wood – Gemeinsam mehr erreichen!
Das Holzforum Allgäu, die Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern, der Verein proHolz Tirol und die Universität Innsbruck haben sich für das Projekt „Inno4wood“ zusammengeschlossen, um grenzübergreifend Innovationen in der Forst- und Holzbranche zu fördern. Das Projekt ist angelegt auf drei Jahre und hat ein Finanzvolumen von fast 900.000 Euro. Gefördert wird es über das INTERREG-Programm der Europäischen Union. Ein besonderer Dank gilt dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das sich gemeinsam mit der Branche an der Kofinanzierung des Projektes beteiligt.
 
Ziel von „Inno4wood“ ist es, Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette Forst-Holz einen grenzüberschreitenden Zugang zu Know-how, Forschungs- und Entwicklungsergebnissen und Kompetenzen zu erleichtern und damit deren Innovationsbereitschaft und -leistung zu stärken.

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